Erasmus Studium in Madrid

Universidad Pontificia Comillas de Madrid

Wer sich auf die Wohnungssuche vor Ort einlässt kann z.B. in der „Segundamano“ suchen. Dieses Anzeigenblatt erscheint täglich und bietet neben allerlei gebrauchten Dingen auch Wohnungen an. Um hierbei Erfolg zu haben muss man es allerdings richtig machen.

Erstens gegen 6:00 morgens zu einem Kiosk gehen und die Zeitung auftreiben. Dann in möglichst kurzer Zeit viele Anzeigen abtelefonieren und anschließend die besten Wohnungen besichtigen.

Im Internet zu finden sind außerdem:

www.loquo.com Internetseite auf der man alle möglichen Dinge finden kann: Tandempartner, Jobs, gebrauchte Möbel und auch WGs.

www.pisocompartido.com Weitere Seite für WG-Zimmer auf Spanisch.

www.wg-gesucht.de Auch auf dieser Seite findet man Zimmer in Madrid.

Eine andere Möglichkeit, die mir schliesslich zur Wohnung verholfen hat, besteht in einem Angebot der Universidad Pontificia Comillas. Das „Oficina de Información y acogida“ (c/ Alberto Aguilera, 21) erstellt und aktualisiert eine Liste mit Kontaktdaten zu verfügbaren Wohnungen in Uninähe, die man auch per Mail anfordern kann (aloja@oia.upco.es). Diese Liste gibt einem erste Informationen über die Beschaffenheit der Wohnungen, z.B. ab welcher Wohndauer man mieten kann, ob Internet verfügbar ist und natürlich auch über Preis und Anschrift. Die Preise für ein Zimmer in einer WG lagen zwischen 250 und 600 Euro, je nach Lage und Ausstattung der Wohnung.

Anhand der Adressen und mithilfe eines Stadtplans habe ich eine erste Vorauswahl getroffen welche Wohnungen in direkter Nähe der Uni lagen. Man kann allerdings auch in vielen anderen Vierteln der Stadt sehr gut wohnen (in La Latina z.B. wohnten viele Kommilitonen), muss dann nur etwas mehr Wegzeit in Kauf nehmen. Mit einer spanischen Handykarte ausgerüstet telefonierte ich dann mit den Vermietern der in Frage kommenden Wohnungen und stellte weitere Fragen, z.B. ob alle Nebenkosten im Mietpreis enthalten sind, ob die Wohnung ein funktionierendes Heizsystem besitzt, ob das Zimmer ein Fenster hat, ob die Mitbewohner schon feststehen und schließlich wann ich die Wohnung besichtigen kann. Wichtig ist auch, falls man die Wohnung als Treffpunkt ausmacht, dass man weiß wo man klingeln soll, da an den Klingelschildern nie die Namen, sondern lediglich die Nummer der Etage und ein Buchstabe stehen.

Nach einer Woche im Hostal und ca. zehn besichtigten Wohnungen entschied ich mich für ein Zimmer in einer WG im Viertel Argüelles, fußläufig zur Uni. Der Vermieter war sehr umgänglich und legte mir nach meiner mündlichen Zusage einen fünfseitigen Vertrag auf Spanisch vor, der unter anderem die Austattung der Wohnung, eine Kaution von zwei Monatsmieten und die Mietdauer festhielt. Ein spontaner Test meiner Spanischkenntisse, für die ich mir allerdings etwas Zeit erbat. Bei einem längeren Aufenthalt von zwei Semestern sollte man sich bewusst sein, dass man eventuell nach einer Zeit in eine bessere oder günstigere Wohnung von Bekannten umziehen möchte und dann bei Vertragsbruch seine Kaution verlieren würde. Andererseits lebt es sich auch gut mit dem sicheren Gefühl einer schriftlichen Abmachung über Rechte und Pflichten als Mieter. Aus ursprünglich sieben Bewohnern der WG wurden zum Schluss dann neun aus allen Herren Länder (Irland, Holland, Spanien, Italien, Amerika, Japan), weil der Vermieter zwei größere Zimmer zu Doppelzimmern umfunktionierte. Dafür kam nun allerdings einmal die Woche eine Putzfrau vorbei um die nötige Ordnung zu halten. Alles in allem war ich mit unserer WG sehr zufrieden, auch wenn ich im Laufe des Semesters Wohnungen von Freunden gesehen habe, die vielleicht etwas günstiger und ruhiger waren.

Am 26. September fand dann der Empfang aller Austauschstudenten durch die Leitung der Universität statt, der sog. „Jornada de recepción“ mit folgendem Einstufungstest des Spanischen für den Sprachkurs und einer abschließenden Führung durch das Institut für Übersetzung (c/ Quintana, 21). Der äußerst hilfsbereite Betreuer für Austauschstudenten (zu meiner Zeit Hr. Jose Manuel Saénz) gab mir ein Kursbuch der „Facultad de Ciencias Humanas y Sociales“ mit Beschreibungen aller Veranstaltungen der Studiengänge sowie einen vorläufigen Benutzernamen und Passwort um die Rechner der Uni benutzen zu können.

In jedem der drei Universitätsgebäude in Madrid gibt es gut ausgestattete EDV-Räume mit einer Vielzahl von Computern in denen man kostenlos ins Internet gehen und auch drucken kann. Ein weiterer Campus mit den Instituten für Philosophie, Psychologie, Psicopedagogía, Soziologie und Sozialarbeit liegt etwa 40 Minuten ausserhalb von Madrid in Cantoblanco. Im Untergeschoss des ICADE sowie im „Instituto de Postgrado“ (c/ Rey Francisco, 4) gibt es eine Cafeteria die Mittagsmenus zu ca. 5 Euro anbietet.

Anhand des Vorlesungsverzeichnisses der Studienrichtungen „Traducción e Interpretación“, sowie von „Filosofía“ und „Sociología“ habe ich mir dann einen Stundenplan erstellt. Die interessanten Kurse fanden zwar manchmal zur selben Zeit statt, aber man hat drei Wochen Zeit alles zu probieren bis man sich endgültig entschieden haben muss.

Am 1. Oktober war dann offizieller Vorlesungsbeginn und damit Beginn der Erprobungsphase der Kurse. In der ersten Woche beginnt auch der Sprachkurs für Austauschstudenten in intensiver Ausführung, d.h. er findet 15 Stunden pro Woche statt, danach dann nur noch zweimal die Woche je ca. 2 Stunden. Man sollte die Zeit von Beginn an für sich nutzen und die für einen in Frage kommenden Kurse persönlich besuchen um sich ein Bild des Unterrichtsinhalts zu machen. Ausserdem werden sich wahrscheinlich anfangs einige Veranstaltungen mit dem Sprachkurs überschneiden was sich jedoch wie gesagt in der zweiten Woche ändert. Am besten vergisst man alle Sprachbarrieren und spricht direkt mit dem Dozenten, da in der ersten Woche viele Einführungen stattfinden und es schwerfällt abzuschätzen wie die Vorlesungen dann nachher ablaufen werden. Drei Wochen nach Vorlesungsbeginn muss man sich für einen verbindlichen Stundenplan entschieden haben und diesen im Intranet der Universität zusammengestellt haben. Nachdem man diesen dann mit seinem Krankenversicherungsnachweis (der blauen, europäischen Krankenkassenkarte) im Institutssekreteriat eingereicht hat, erhält man seinen Studienausweis.

Es stellte sich heraus, dass die Kurse des Instituts für Übersetzung für mich am sinnvollsten waren. Ich entschied mich schließlich für Linguistik, ein Kurs des ersten Studienjahres (Lingüistica aplicada a la traducción), einen Kurs über das Übersetzen von englischer Filmsynchronisierung und Untertitelung des vierten Studienjahres (Traducción audiovisual), einen allgemeinsprachlichen Übersetzungskurs aus dem Deutschen ins Spanische des dritten und einen aus dem Spanischen ins Deutsche des vierten Studienjahres (Traducción general directa + inversa) und den Sprachkurs für Austauschstudenten (Espanol para alumnos de intercambios). Im Linguistikkurs gab es parallel zu den Vorlesungen ein sehr ausführliches Skript der Dozentin im Intranet, welches die Materie jeder Stunde sehr sorgfältig aufarbeitete und ergänzte. Die Vorbereitung der Vokabeln anhand des Skriptes half enorm beim Verständnis der Fachwörter in der Veranstaltung und der theorielastigen Materie. Die Gruppe war mit ca. 30 Personen relativ groß und bestand fast ausschließlich aus Spaniern des ersten Semesters. Die Dozentin gestaltete die Vorlesungen mit vielen Beispielen und auf die typisch spanische Art mit vielen ausufernden Gesten sehr lebendig. Die zwei Teilprüfungen fanden Ende Dezember und Mitte Januar statt und behandelten die Themen Analogie, Typologie und Etymologie.

Der Kurs audiovisuelles Übersetzen war sehr spezialisiert und dementsprechend klein war die Gruppe mit ca. 10 Studenten. Die Dozentin arbeitete parallel als professionelle Übersetzerin der meisten Filme die ins spanische Kino kommen und gab uns konkrete Einblicke in die Arbeitsweise dieser Branche. Die praktische Arbeit für uns bestand darin Trailer und Filmszenen zuerst in Hinblick auf die Synchronisierung („Doblaje“) und später für die Untertitelung („Subtítulo“) aus dem Englischen ins Spanische zu übersetzen. Bearbeitet wurden Filme aller Genres, eine spezielle Schwierigkeit bestand allerdings in der stilgerechten Übersetzung stark umgangssprachlicher Wendungen, was naturgemäß für Nichtmuttersprachler schwierig bis unmöglich, aber umso interessanter ist. Auch die Kreativität, die bei Wortspielen gefragt ist, die man nicht wörtlich übersetzen kann, machte einen Reiz dieses Kurses für mich aus. Es gab zwei Prüfungen jeweils eine mit Schwerpunkt auf Synchronisierung und auf Untertitelung sowie eine freiwillige Präsentationen der Studenten.

Der Übersetzungskurs aus dem Deutschen ins Spanische behandelte Texte aus allen Bereichen des Lebens, von Amtsgerichturteilen bis zu Zeitungsartikeln. Am Ende jeder Stunde sammelte die Dozentin unser Übersetzungen ein und gab sie uns das nächste Mal korrigiert zurück, was extrem hilfreich war. Im Kurs vom Spanischen ins Deutsche lag der Schwerpunkt auf Pressemitteilungen aus dem Wirtschaftsbereich und richtete sich neben der korrekten Übersetzung der Fachtermini auch auf das Verständnis, den Stil und die eventuelle inhaltliche Verbesserung des Ausgangstextes. Wir schickten hier dem Dozenten unsere Übersetzungen vorab per Mail und besprachen dann gezielt Fehlerschwerpunkte.
Es existieren verschiedene Sprachstufen in den Übersetzungskursen, welches für einen am geeignesten ist findet man am ehesten durch Ausprobieren und ein Gespräch mit dem Dozenten oder Betreuer heraus. Man sollte keine Bedenken haben ruhig den schwierigsten Kurs (Nivel C-1) zu wählen, da das Niveau gerade im Deutschen relativ niedrig sein kann, je nachdem ob es die zweite oder die dritte Fremdsprache für die spanischen Studenten ist. Zur Auswahl stehen englisch, französisch, italienisch, deutsch und japanisch. Eine einfache und sehr effektive Methode Kontakt mit Spaniern herzustellen und sein Spanisch zu verbessern bietet ein Sprachintercambio. Man sollte dieses Angebot unbedingt nutzen und wird es nicht bereuen. Die Universität vermittelt auch hier die Studenten über eine Webseite auf der man seine Sprachkenntnisse einträgt und dementsprechend passende Studenten angezeigt bekommt. Das kulturelle Angebot der Uni umfasst neben vielen Aktivitäten rund um Musik, Theater, Kino etc. auch die kostenlose Nutzung der Sportplätze auf denen man Fußball, Basketball und Tennis spielen kann. Es steht ausserdem ein Fitnessraum zur Verfügung, der gegen eine Gebühr von 62 Euro für ein Semester genutzt werden kann und es gibt verschiedene Sportkurse. Die Anmeldung hierzu erfolgt im „Oficina de deportes“ im Untergeschoss des ICADE und man benötigt wie so häufig ein Passfoto, welche man ja in fast jeder größeren Metrohaltestelle in Madrid machen kann. Erasmusfeiern und Kennenlerntreffen veranstaltet die Studentenorganisation „Comitas“; im Internet zu finden unter http://www.comitas.blogspot.com.

Studentenjobs findet man, genauso wie die Wohnungsanzeigen, in der Zeitschrift Segundamano. Die Jobs werden sich wohl auf die Erteilung von Nachhilfe im Deutschen oder einfache Hilfsjobs beschränken. Der Stundenlohn variiert zwischen 10 und 15 Euro. Neben der Segundamano kann man auch am schwarzen Brett des Goethe-Institus (c/ Zurbarán, 21) schauen, ob es Jobangebote für deutsche Muttersprachler gibt oder bei entsprechenden Englischkenntnissen in einem der Irish Pubs sein Glück versuchen.

Madrid ist eine sichere und lebendige Stadt mit vielen Gesichtern, die allerdings wie alle großen Städte auch dunkle Seiten hat. Vor allem sollte man an typischen Touristenplätzen wie Sol und Plaza Mayor und in der Metro auf seine Wertsachen aufpassen. Während eines halben Jahres in Madrid habe ich 6 Fälle von Diebstahl in meinem direkten Umfeld mitbekommen. Es kann hilfreich sein die EC-Karte und die Kreditkarten getrennt vom Bargeld aufbewahren, so dass man noch Geld abheben kann, wenn man bestohlen wurde. Damit das allerdings gar nicht erst passiert passt man am Besten einfach gut auf, nimmt sein Portemonnaie aus der Potasche und verstaut es sicher woanders. Die Metro in Madrid verkehrt sehr häufig und regelmäßig. Ein für Kölner faszinierendes Schauspiel, man wartet fast nie länger als 5 Minuten. Bei reger Nutzung empfiehlt sich ein Monatsabo oder eine Zehnerkarte mit der eine Fahrt weniger als einen Euro kostet. Gegen ca. 1.30 Uhr nachts schliesst die Metro und man muss auf den Nachtbus umsteigen oder laufen. Die Stadt bietet ein ausführliches Kulturangebot welches Musik, Tanz, Theater, viele Museen (z.B. Prado, Reina Sofia, Thyssen-Bornemisza) und Kunst- und Kulturzentren (z.B. La Casa Encendida, Centro Cultural Conde Duque) umfasst. Nicht zu vergessen das Leben was sich bei gutem Wetter sonntags im Parque Del Buen Retiro oder in den Gassen des Rastro abspielt. Die Spanier sind geradezu ein Volk von Cineasten, so dass es eine Unmenge an Kinos in Madrid gibt. Viele zeigen außerdem Originalversionen mit spanischen Untertiteln (Cine Ideal, Renoir Princesa) oder bieten ältere Filme aus bestimmten Themenbereichen für nur 2 Euro wie die Filmoteca Espanola (c/ Sta. Magdalena, 10). Ein besonderer kultureller Leckerbissen sind natürlich auch die allgegenwärtigen Tapasbars und ihre Esskultur mit Speisen aus allen Teilen Spaniens. Hierbei reicht die Bandbreite von kleinen verrauchten Arbeiterkneipen, über gemütliche Tapasbars mit Meeresfrüchten bis zu stylischen Bars im supermodernen Stil. Hier eine einzelne Bar zu nennen ist eigentlich unmöglich, ein traditioneller Anfang jedoch wäre ein Spaziergang von der Calle Cava San Miguel zur Calle de la Cava Baja.

Ich wünsche allen Studenten die auch einen Auslandsaufenthalt in Madrid verbringen viel Spass und eine tolle Zeit! ¡Qué os divirtáis!

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