Privatisierung der Macht? Über die Bilderberg-Konferenz…

Auf Deutschlandfunk wird aktuell über die Verknüpfung von Macht, Politik und Presse im Rahmen der Bilderberg-Konferenz berichtet:

Die sogenannten Bilderberg-Konferenzen finden seit 1954 jährlich an wechselnden, möglichst geheim gehaltenen Orten statt. Angeblich sind die Treffen rein privater Natur, doch wenn die Mächtigen aus Wirtschaft und Adel Politiker zum geheimen Gespräch laden, wundern sich auch Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen.

(…)

„Es ist ja schon so, dass wenn sich die Reichen und Mächtigen zusammensetzen und über die Welt reden und was da passiert und was da passieren soll, dass wir als Bürger davon in irgendeiner Art und Weise früher oder später dann betroffen sind.“

„Das sehen wir ja gerade ganz konkret an dem, was auf den Finanzmärkten passiert. Und daher ist das schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn diese Treffen fern ab jeder demokratischen Öffentlichkeit stattfinden.“

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„Wenn man diese Netzwerke näher analysiert, kommt man zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass der Außenpolitik-Chef der Süddeutschen und der Außenpolitik-Chef der Frankfurter Allgemeinen, die ja konkurrierende Zeitungen sind, ein Netzwerk haben, die in großen Teilen übereinstimmend sind. Das ist schon erstaunlich und das mag auch Auswirkungen haben auf die Färbung von Berichterstattung, auf einen gewissen Gleichklang, auf einen Mainstream, der vielleicht entsteht, weil die Schlüsselpersonen mit denselben Politikern und Wirtschaftsleuten in Kontakt sind.“

Das muss nicht heißen, dass es keine Widersprüche und Nuancen in den Berichten gibt. Die große Linien aber, der Sound, stimmt überein. Dafür, dass verantwortliche Redakteure der Wochenzeitung „Die Zeit“ schon über viele Jahre eng mit den Bilderbergern verflochten sind und dennoch wie alle anderen teilnehmenden Journalisten nie auch nur eine Zeile über die Konferenzen berichten, dafür hat auch der Mediensoziologe Rudolf Stumberger kein Verständnis:

„Wenn auf diesen Treffen etwas Bedeutsames wirklich verhandelt wird, dann ist es ganz selbstverständlich die Pflicht des Journalisten, das irgendwie öffentlich zu machen. Das ist ja ganz klar. Wenn aber dort nichts Wichtiges verhandelt wird, wenn es da nur um allgemeines Gerede geht, dann ist natürlich die Frage: Warum gehe ich da als Journalist überhaupt hin? Und dann bleibt eigentlich nur die Schlussfolgerung: Es geht einfach um persönliche Eitelkeit. Und es gibt auch manche Journalisten, die möchten ganz gerne mitspielen im politischen Geschäft, die sehen sich also weniger als Berichterstatter und Chronisten, sondern die sehen sich als Player.“

Auch der Spiegelfechter, bemerkt das mediale Desinteresse, und schlußfolgert über die Symbiose von Bilderbergern und Verschwörungstheoretikern:

Während die eigentliche Konferenz eher uninteressant ist, fällt hingegen das dröhnende Schweigen der Medien zu diesem Thema aus dem Rahmen des Üblichen. Natürlich ist den Ackermännern und Kissingers gegönnt, dass sie in trauter Atmosphäre ohne Belästigung der Journallie mit ihresgleichen über die Probleme der Welt diskutieren und langweiligen Vorträgen lauschen. Es ist allerdings nicht unbedingt die Aufgabe des Journalismus, die Privatsphäre der Eliten zu respektieren. Natürlich besteht ein öffentliches Interesse, wenn sich demokratisch gewählte Volksvertreter mit den Geldeliten treffen, um über politische Fragen zu konferieren, die jeden Bürger angehen.

(…)

Das Ideal der Aufklärung sollte jedoch auch für die Berichterstattung über die Bilderberger gelten. Es darf nicht sein, dass gewisse Themen von Rechts-Esoterikern gekapert werden. Ohne die Selbstzensur der Medien würden den Verschwörungstheoretikern wahrscheinlich ohnehin die Nahrung ausgehen. Transparenz ist nämlich der schlimmste Feind jeglicher Spökenkiekerei. Daran kann die Bilderberg-Gruppe natürlich kein Interesse haben – im Gegenteil. Bilderberger und Verschwörungstheoretiker leben in bester Symbiose zusammen. Solange die Bilderberger als Geheimzirkel agieren, bieten sie Verschwörungstheoretikern eine Steilvorlage für ein Bestseller nach dem anderen. Solange die Verschwörungstheoretiker das Thema Bilderberg für die klassischen Medien “verbrennen”, können sich die Konferenzteilnehmer sicher sein, dass sie nicht von hunderten Journalisten belästigt werden. Bilderberg und die Verschwörungsindustrie – eine Win-Win-Situation. Oder ist das vielleicht auch eine Verschwörungstheorie?

Sehr interessante Infos und Links auch bei Lobbycontrol.

Quelle: DLF, spiegelfechter

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