Christoph Schlingensief R.I.P.

Christoph Schlingensief ist heute im Alter von nur 49 Jahren an Krebs gestorben. Sehr viel zu früh. Aktionen wie Ausländer Raus! oder Freakstars 3000 dienten nicht nur der Provokation, sie waren tiefgründig und voller Liebe zum Leben. Ich erinnere mich auch noch gut an die Church of Fear hier in Köln, auf dem Dach vom Museum Ludwig. Ein Denkanstoß, sich seiner Ängste bewusst zu werden, sie zu akzeptieren, um nicht im blinden Glauben an Heilsversprechen bestimmten Ideologien zu verfallen. Angst, die z.B. von der Anti-Terrorpolitik und so mancher Weltsicht ausstrahlt. Zudem war es ein wohltuender Kontrast zum Weltjugendtag und der Hysterie um den BRAVO-Popstar Bene! Wie auch immer. Ich werde sein sich einmischen vermissen. Sehr sogar…

„Ich meine auch, ein Künstler zurzeit ist ein Mensch, der den Kapitalismus nicht als beste und endgültige Form ansieht, die Beziehungen der Menschen untereinander zu regeln. Mein Künstler zurzeit jedenfalls sagt, dass der Sinn des Lebens nicht in der Regierbarkeit und nicht in der Marktfähigkeit des Menschen liegt. (…) Eine Kunst wie die von Christoph Schlingensief ermächtigt nicht nur den Künstler, sie ermächtigt den Menschen gegen die Mikro- und Makrophysik der Macht. Sie beantwortet die Frage: “Sind wir noch da?” Oder wenigstens stellt sie diese notwendigste aller Fragen.“ –Georg Seeßlen

„Nicht jede seiner Arbeit konnte mich begeistern, nicht alles habe ich verstanden, doch ich konnte seiner Güte vertrauen, seiner Menschlichkeit.“Johnny Häusler

 

 

„Mut zum Gegenwind, Mut zum Verkannt-werden, Mut zum Alleiniger-Rufer-in-der-Wüste-Sein.” –Max Dax

We’ve lost one of our most beautiful maniacs.

P.S. Eine kleine, subjektive Auswahl seines Schaffens inkl. Filmchen gibt’s hier

3 Kommentare

  1. Das tut mir furchtbar leid. Es geht wirklich einer der ganz Großen…

    Es geht nicht um den Kampf gegen eine Krankheit, sondern darum, dass uns ein Genie verlassen hat. Der Nachfolger Heinrich Bölls möglicherweise, auch wenn das kaum jemand verstehen wird.

    Möge sein wunderbares Projekt, das Operndorf in Burkina Faso, in seinem Sinne und in seinem Gedenken vollendet werden.

    RIP, Christoph Schlingensief!

  2. „Ich bin wütend auf diese Grunddepression, diese Oberfaulheit, dieses verklemmte Dasein. Mir kommt es so vor, als würde ganz Deutschland auf dem Klo sitzen und stöhnen. Man weiß genau, was passieren muss, damit es endlich mal weitergehen kann, aber der Deutsche sitzt da und schimpft, dass kein Klopapier da ist und er deshalb nicht kann. So ist Deutschland.“

    – Christoph Schlingensief, R.I.P.

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