Kleine Presseschau: Was kommt nach Mubarak?

Spiegel: „Mubarak will Ägypten brennen sehen“

Geöffnete Gefängnisse, Plünderungen, Brandstiftungen: Der politische Protest der Ägypter droht in Chaos und Anarchie zu versinken. Verantwortlich dafür sei das Regime selbst, behaupten die Demonstranten. Die Bilder der Gewalt, so ihr Vorwurf, sollen ihren Aufstand diskreditieren. (…)

Wer am Ende wieder für Ordnung und Sicherheit sorgen soll, ist klar: der verhasste, aber vermeintlich unentbehrliche Präsident selbst. Husni Mubarak.

TheEuropean: Aufruhr in Ägypten – Die perfekte Welle

Politik im Mittleren Osten erscheint der westlichen Welt oftmals als Wahl zwischen zwei Alternativen: Diktatorische Regimes oder extremistische Gruppen kämpfen angeblich um die Macht. Diese Vorstellung ist obsolet. Wir sehen momentan – zur Verwunderung vieler Beobachter – die Macht der Jugend. 50 Prozent der Bevölkerung der muslimischen Welt sind jünger als 30. Bisher waren sie oftmals apolitisch. Doch von Tunesien aus verbreitet sich eine Welle der Entrüstung nach Ägypten und in den Jemen.

Blick.ch: Interview mit el-Baradei, 30.01.2011

Der Westen fürchtet, dass nach Mubarak radikal-islamische Kräfte ans Ruder kommen.
Nach einer 30-jährigen Diktatur gibt es immer das Risiko, dass die Revolution von Radikalen ausgenützt wird, um an die Macht zu gelangen. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass wir nur die Wahl zwischen autokratischen Regimes oder radikal-islamischen Regierungen haben. Es gibt ebenso viele Marxisten, Sozialisten und Liberale.

Die Angst vor der Muslimbruderschaft ist also unberechtigt?
Absolut. Die Muslimbrüder sind eine konservativ-religiöse Gruppierung. Sie besteht aus unzähligen Universitätsprofessoren, lehnt seit 50 Jahren jede Gewalt ab und sagt sehr deutlich, dass sie sich einen säkularen Staat wünscht. Die Muslimbrüder geniessen Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung, weil sie soziale Hilfe leisten, wo der Staat versagt.

Wie würden die Islamisten bei freien Wahlen abschneiden?
Ich gebe den Muslimbrüdern 20 bis 25 Prozent, nicht mehr. Ich glaube, dass dieses Land eine linke Regierung bekommen würde, weil es zunächst darum geht, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Dafür braucht es eine Verfassung, freie Wahlen, das Recht auf freie Meinungsäusserung. Auch die Muslimbrüder werden sich an diese Verfassung halten müssen.

(…) Haben Sie ein Rezept gegen die schleichende Radikalisierung?
Wir müssen demokratisieren, die Fenster öffnen, frische Luft hereinlassen – dann werden Modernität und Mässigung siegen. Wenn die Menschen einen Job finden, eine Familie gründen und ohne Angst reden können, wenn es freie Wahlen gibt, dann wird der Extremismus zur Randerscheinung.

dradio.de: Aufruhr am Nil – Ägyptens Menschen begehren auf

Den Mut, einen Wandel zu initiieren, haben die Menschen auf den Straßen Tunesiens und Ägyptens unter Beweis gestellt. Trotz der Angst um ihr Leben und der Angst vor einem Scheitern. Der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg wäre daher gut beraten, nicht von der „Gefahr einer infektiösen Dynamik“ in der arabischen Welt zu sprechen – sondern eines zu tun:

Wertzuschätzen, was dort aus eigener Kraft geschieht.

Wikipedia: Unruhen in Ägypten 2011

Zum Schutz vor marodierenden Banden schlossen sich Einwohner in mehreren Städten zu bewaffneten Bürgerwehren zusammen. Viele Demonstranten vermuten, dass das Chaos von der Regierung gewollt sei, um den Widerstand zu diskreditieren; so soll angeblich die Polizei absichtlich Verbrecher freigelassen haben. Die Armee versuchte das Problem in den Griff zu bekommen, wirkte jedoch zeitweise überfordert. Sie versuchte, an einigen strategischen Punkten in Kairo Straßen und Zufahrten abzuriegeln. Am Samstag wandte sich einer ihrer Sprecher in einer TV-Ansprache an die Ägypter und warnte davor „zu stehlen, zu plündern, zu rauben oder Angst zu verbreiten“.

In einer von al-Jazeera ausgestrahlten Fernsehansprache rief Yusuf al-Qaradawi Mubarak auf, das Land zu verlassen. al-Qaradawi ist einer der Führer der Muslimbruderschaft.

heute.de: Wer beerbt Mubarak? (25. Dezember 2010)

Mohammed el Baradei, der ehemalige Chef der Internationalen Atomorganisation und neuer Hoffnungsträger der Opposition, wird nicht antreten. Der liberale El Baradei hätte in der Bevölkerung vermutlich auch nicht genug Rückhalt, um bei Wahlen zu gewinnen, selbst wenn diese nicht gefälscht würden. Etwas besser stehen seine Chancen, seit er sich im Sommer mit der Muslimbruderschaft zusammengetan hat, die ein weit gespanntes Netz von Anhängern hat.
Gemeinsames Ziel der ungewöhnlichen Allianz von Bruderschaft und el Baradei ist mehr Demokratie und die Veränderung der Verfassung: Nach geltendem Recht darf El Baradei als Unabhängiger nicht zu den Wahlen antreten.

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