Lepsius und ZAPP über zu Guttenberg

Prof. Dr. Oliver Lepsius, Jura-Professor an der Uni Bayreuth und Nachfolger von zu Guttenbergs Doktorvater zum Plagiatsfall:

„Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat.“

„Der Minister leidet unter Realitätsverlust“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

„Er kompiliert planmäßig und systematisch Plagiate, und er behauptet, nicht zu wissen, was er tut. Hier liegt die politische Dimension des Skandals.“

Heftige Worte wenn man über niemand geringeren als den Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland spricht.

Schon etwas älter, aber dennoch interessant in dem Zusammenhang, sind zu Guttenbergs wenig bescheidene Worte als Wirtschaftsminister über seine Kompetenzen und die tatsächlichen Hintergründe:

2009 recherchierte das Medienmagazin Zapp die von den Medien vielzitierte Wirtschaftskompetenz und mittelständische Erfahrung zu Guttenbergs. Unter anderem schrieben BILD, Tagesspiegel, FOCUS online und Spiegel online über zu Guttenberg als Chef des Großhandelsunternehmens ‚Von Guttenberg‘, welches auf Nachfrage allerdings jede Verbindung zum Wirtschaftsminister von sich wies.

Im Handelsregister wurde Zapp schließlich fündig und erfuhr: Die Guttenberg GmbH bestand aus 3 Mitarbeitern und hatte die Verwaltung des Familienvermögens zur Aufgabe.

Kein Kommentar vonnöten…

-Nachtrag-

Guttenbergs Realitätsverlust im Wortlaut:

„Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus“

„Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir.“

„Sie ist etwa über sieben Jahre, neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden…“

„Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin. Anschließend würde ich ihn wieder führen.“

„…und ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis am heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt.“

„Ich bin ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und stehe auch öffentlich zu meinen Schwächen.“

Merkels verdrehte Argumentation:

„Ich habe keinen wissenschaftlichen Assistenten oder einen Promovierenden oder einen Inhaber einer Doktorarbeit berufen, sondern hier geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister.“

4 Kommentare

  1. Dreist an Karl-Theodor zu Guttenbergs Verhalten ist nicht, dass er gelogen hat. Wer hätte das nicht schon mal getan. Dreist ist, dass er immer noch lügt.

    Dass er, wider besseren Wissens vor versammeltem Bundestag die Lüge wiederholt, er hätte »nicht wissentlich« getäuscht, »nicht wissentlich plagiiert«. Das ist angesichts der Ausmaße und Methodik des Plagiats schlechterdings unmöglich.

  2. @Jason: Danke für den Link! Ähnliche Gedanken machen sich wahrscheinlich gerade die Redenschreiber und Spin-Doctors des Verteidigungsministers. Diese Stelle gefällt mir z.B. besonders…

    Alles ist da: Demut, Entschlossenheit, der große Dienst an der Gemeinschaft. In diesem Fall müssen Bundeswehrreform und Afghanistaneinsatz dafür herhalten. Daraus folgt: Wer den Helden bei seiner Arbeit stört, der ist der wahre Schuldige, denn er verhindert das Erreichen gesellschaftlich erstrebenswerter Ziele. So versucht der Minister geschickt, die Rollen in dieser Erzählung zu vertauschen.
    […]
    Er folgt der Logik: Was scheren uns ein paar Fußnoten, wenn in Afghanistan deutsche Soldaten sterben? Auch diesen Mechanismus nutzt Guttenberg brillant.

    @Armin: Kognitive Dissonanz ist das Stichwort.

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