Die Indignados und der Papst

Die große Empörung, zu der der französische Schriftsteller Stéphane Hessel die desillusionierte Jugend der entwickelten Welt mit seinem Bestseller aufrief, greift seit dem 15. Mai weiter um sich.

Die Empörung und der Zorn ist kein geistloser Protest gegen die mit Brüssel abgesprochenen Sparpläne, sondern richtet sich gegen „das System“ insgesamt: gegen die Politiker und die beiden großen Parteien, gegen die Gewerkschaften, von denen die Arbeitslosen, vor allem die Jugend ohne Zukunft (die Jugendarbeitslosigkeit beträgt in Spanien fast 50 Prozent), sich nicht vertreten fühlen, gegen die Banken und deren Einfluss auf die Politik, gegen die prekären Arbeitsverhältnisse, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und nicht zuletzt gegen die offenkundige Korruption auf allen Ebenen der Verwaltung.

Kurz vor dem Weltjugendtag in Madrid, hält der Protest, trotz aller Versuche der Polizei die Bewegung zu vertreiben, weiter an. Telepolis schreibt, Die Empörten in Spanien trotzen dem Papst:

Es ist heiß im spanischen Sommer, doch die Hitze hält die „Empörten“ nicht von neuen massiven Protesten ab. Sie haben den zentralen Platz in der spanischen Hauptstadt Madrid nun wieder in Beschlag genommen. Die Polizei ist damit gescheitert, die „Indignados“ vom „Puerta del Sol“ fern zu halten.

(…) Auf dem Sol werden aber neue Aktionen vorbereitet, debattiert und den Vollversammlungen zur Abstimmung gestellt. Nun stehen Vorbereitungen auf den Papst-Besuch im Vordergrund. Auch diese Proteste treffen auf viel Verständnis in der Bevölkerung. Während überall gespart wird, soll der katholische Weltjugendtag (vom 16. bis 21. August) mindestens 50 Millionen Euro kosten. Viele fragen sich, warum eine laizistische Regierung, die sich zudem sozialistisch nennt, die Hälfte dieser Kosten übernehmen will.

(…) Bei den Debatten schält sich heraus, dass man sich mit den Teilnehmern am Weltjugendtag aktiv konfrontieren will, damit er nicht reibungslos über die Bühne gehen kann. Um die Rechte von Lesben- und Schwulen einzufordern, soll es unter anderem ein öffentliches Massenküssen vor dem Papamobil und eine große Demonstration geben.

„Poco pan para tanto chorizo“ Übersetzung: „Wenig Brot, für soviel Chorizo/Gauner“ – Bild: Pepa Vives

Vorherige Artikel: #SpanishRevolution + Manifest / Protestwelle in Madrid

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