Medienkritik: Anti-ACTA-Demos

Bei der Berichterstattung über die gestrigen 2. Anti-ACTA-Demos fiel auf, dass manche Medien die Forderungen des Protestes sehr einseitig beschrieben und die Teilnehmerzahlen viel zu gering bezifferten. Dazu schreibt Daniel Schwerd:

Nachdem die Medien vor zwei Wochen noch ziemlich ausführlich – wenn auch nicht immer zutreffend – über unsere Anti-ACTA-Proteste berichtet haben, hat sich das Bild bei den Demonstrationen gestern deutlich gewandelt. (…)

Die Tagesschau verortete die größte Demonstration in NRW nach Dortmund, mit 1500 Teilnehmern. Düsseldorf (mit 2000) und natürlich Köln mit über 3000 Teilnehmern wurden glatt unterschlagen. In den Tagesthemen begleitete ein Kamerateam 13jährige Schüler zu den Demos, und stellte das Ganze als “Jugendbewegung” dar. Immer wieder wurde betont, dass die Teilnehmer den ACTA-Text ja gar nicht kennen würden. (…)

Der Kölner Stadtanzeiger begeistert besonders. Er sprach ursprünglich von 700 Teilnehmern in Köln (mittlerweile, um ca. 11 Uhr, auf 2000 Teilnehmer geändert, im Cache bei Google noch sichtbar – lieber Stadtanzeiger, sieht das nach 700 Leuten aus? Hier geht der Demonstrationszug über den Ring – 6 Minuten lang Menschen: → YouTube Direktlink

Es ist vor allem der Ausdruck eines Missmutes gegen die Einschränkung unserer Grundrechte glaube ich. Etwas poetischer ausgedrückt: Es geht um die Freiheit unserer Gedanken im weiteren Sinne. Keiner möchte unter Generalverdacht gestellt oder beobachtet werden. Allein das Gefühl, dass es so sein könnte, verändert bereits das Verhalten und Denken. Freiheit statt dem Ruf nach mehr Sicherheit.

Ausserdem braucht es dringend ein neues, zeitgemäßes Schutzrecht geistigen Eigentums. Es sollte “normal” sein, sich Musik auf YT anhören zu können und dann zu entscheiden was man kauft. Oder Filme kostenlos in schlechterer Qualität im Netz gucken zu können und trotzdem noch ins Kino zu gehen.
Die großen Rechteinhaber werden daran nicht leiden, sondern es fördert letzlich sogar den Konsum, die eigentlichen Künstler und vielleicht unsere kulturelle Entwicklung (auch wenn sich daran zweifeln lässt ;)

Noch ein Nachtrag zum untenstehenden Kommentar… Ja, die Fußball-EM wird interessant. Mal sehen welches unliebsame Gesetz 2012 dran kommt. Welche Lobby macht das Rennen, welche Gipfeltreffen finden statt und was passiert mit Vorratsdatenspeicherung & Co?

6 Kommentare

  1. Fiete Stegers kommentierte bei daniel-schwerd.de dazu:

    Als Tagesschau-Mitarbeiter kann ich Ihnen folgendes sagen:

    – Bei Großveranstaltungen nennen Polizei und Nachrichtenagenturen bei Beginn zunächst in der Regel vorsichtige Teilnehmerzahlen (weil noch nicht alle Teilnehmer eingetroffen sind), die dann im Verlauf der Berichterstattung häufig nach oben korrigiert werden. Durch die durch den Arbeitsablauf übliche Verzögerung werden diese Zahlen werden diese Zahlen von allen Online-Medien meist auch erst später in die bereits online stehende Berichte eingearbeitet. Die dezentralen Kundgebungen machten es in diesem Fall noch schwieriger. Wer selbst vor Ort ist, kann die tatsächlichen Dimensionen naturgemäß schneller abschätzen.

    – Zu den Demonstrationen in Köln und Düsseldorf gab es gestern Nachmittag und Abend leider keine unabhängigen Informationen über Verlauf und Teilnehmer. Weder berichteten die Landesdienste der Nachrichtenagenturen, noch hatten Rheinische Post, Kölner Stadt-Anzeiger oder WDR hatten hier schon aktuelle Informationen online verfügbar. Insofern war es äußerst schwierig, ein Gesamtbild der Lage zu gewinnen.

    – Auch auf der Demonstration in Hamburg waren gestern überwiegend junge Teilnehmer.

  2. Danke für die Infos!

    Hab mich gleich als 10.000er dazugesellt ;) Bis zum 22.03. muss allerdings noch was zusammenkommen, um eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss zu erreichen.

    Aber, da gabs ja zB diese Petition gegen die VDS, die erst in den letzten Tagen so richtig steil ging, und die wichtige 50.000 Marke knackte. Siehe hier: Mitzeichner in letzter Sekunde

    Insofern, weiter so!

  3. Ich bin dafür, das wir in Zukunft jeden Besucher der Demo registrieren und zählen, denn wir wollen ja schon genaue Zahlen haben, wieviel „Besucher“ auf einer Demo sind. Vielleicht sollte man das schöne rechteckige „Tor“ nehmen, was wir auf jeden Flughafen durchschreiten müssen. Auf der Autobahn werden ja auch die Auto´s gezählt!
    Nicht ganz so ernst gemeinter Beitrag von st (http:// http://www.wallgang.de)

  4. ….vor allem dass Anti-ACTA-Demos nicht nur kleingeredet, sondern auch noch von den Medien belächelt werden, ist schon ignorant! Es geht den Demonstranten auch nicht darum, alles kostenlos zu haben, wie von der Presse und teilweise auch von Politikern gerne erzählt wird…..die Menschen wollen erstens keine Zensur, zweitens ihre grundgesetzlich gesicherten Rechte behalten und drittens für die selbe Sache nicht zehnmal zahlen – und da hat sich die Film- sowie die Musikindustrie nicht gerade Gedanken gemacht, etwas zu ändern!!!!!!! Und der wichtigste Grund für diese zweite Demo war: Das Volk will die Fußball-EM geniessen können und nicht befürchten müssen, dass während des Sportevents hinter verschlossenen Türen erneut heimlich über seine Köpfe hinweg gekungelt wird…….so wie mit der Atomlobby letztes Jahr….

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