irak

WIE AUF TERRORISMUS REAGIEREN?

Fefe sagt…

Ich finde ja diesen ganzen Frankreich-Pseudo-Unterstützungs-Kram gerade sehr bedenklich. ISIS bombt den Russen ein Flugzeug mit 224 Menschen vom Himmel. Keine Sau reagiert.

ISIS bombt in Frankreich Menschen tot (ich will da jetzt nicht Menschenleben gegeneinander aufrechnen, aber von der Größenordnung her waren es vergleichbar viele), und überall kommen Frankreich-Fahnen hervor, auf Facebook, Twitter, bei Skype ist jetzt der Like-Button eine Frankreich-Fahne mailt mir gerade jemand, …

Und was ist mit den ganzen Drohnenmordopfern in Afghanistan? Mit den Toten im Irak? Mit denen in Syrien? Schulterzucken, wo man hinschaut.

Ich empfinde das gerade wie die Szene in 1984, als in der Mitte der Rede der Kriegsgegner von Eurasia nach Eastasia wechselt und keiner merkt es. Ihr springt alle auf das US-Terror-Narrativ auf und werdet Rädchen im Propagandaapparat und die Drohnenmorde gehen währenddessen munter weiter.

Und dann gibt es da noch die andere Betrachtungsweise. Die Islamisten machen ja solche Anschläge erstens als Reaktion auf Morde und Kriegsverbrechen des Westens in ihren Heimatländern, aber zweitens um den Westen zu weiteren Greueltaten dort zu provozieren, denn das validiert ihr Weltbild und treibt ihnen mehr Rekruten zu.

Ich bin ja Atheist, aber an der Stelle hat die Bibel Recht. Terroranschläge kann man nicht verhindern, und Polizeistaat-Reaktionen auf sie machen die Sache nur schlimmer. Da muss man meiner Ansicht nach die andere Wange hinhalten. Und man muss aufhören, denen Vorwände für ihre Anschläge zu geben.

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Russland/USA

Heute bei Fefe:

Zitat des Tages:

„Auch US-Außenminister John Kerry griff Russland scharf an. Das Land verhalte sich wie im 19. Jahrhundert und marschiere in andere Länder unter Verweis auf frei erfundene Gründe ein.“

Und das wagt ausgerechnet der Außenminister des Landes zu sagen, das aus frei erfundenen Gründen in den Irak einmarschiert ist.

Providence — a short film featuring Bradley Manning’s voice

A few days ago the Freedom of the Press Foundation published the full, previously unreleased audio recording of Bradley Manning’s statement to the military court in Ft. Meade about his motivations for leaking over 700,000 government documents to WikiLeaks including the so-called Collateral Murder video. Laura Poitras‘ short film combines his statement with the original footage:

Direktlink

From the Freedom of the Press Foundation:

He explains to the military court in his own cadence and words how and why he gave the Apache helicopter video, Afghanistan and Iraq Wars Logs, and the State Department Diplomatic Cables to WikiLeaks.

Manning explains his motives, noting how he believed the documents showed deep wrongdoing by the government and how he hoped that the release would „spark a domestic debate on the role of the military and our foreign policy in general as it related to Iraq and Afghanistan.“

(…) We hope this recording will shed light on one of the most secret court trials in recent history, in which the government is putting on trial a concerned government employee whose only stated goal was to bring attention to what he viewed as serious governmental misconduct and criminal activity.

„Ein internationaler Skandal“ – Teil 2

Im Juni 2010 bloggte ich über Der Fall Garzón: „Ein internationaler Skandal“. Neues dazu in der DLF-Presseschau von heute:

In Spanien muss sich der bekannte Richter Garzón vor dem Obersten Gerichtshof verantworten. THE GUARDIAN aus London ist empört:

„Eine ganze Reihe von Ländern rund um den Globus haben Grund genug, Garzón dankbar zu sein. 1998 setzte er sich dafür ein, dass Großbritannien General Pinochet an Chile ausliefert. Seine Verfolgung von Tätern der argentinischen Militärjunta brachte die Gerichte des Landes dazu, selbst zu ermitteln. Heute wird Garzón selbst Machtmissbrauch vorgeworfen – unter anderem wegen seiner Ermittlungen zu Exekutionen der Franco-Ära. Der Prozess hat den Beigeschmack eines politischen Rachefeldzugs. Es wäre ein Hohn, wenn Spaniens berühmtester Richter fortan im eigenen Land nicht mehr arbeiten dürfte“.

Das sieht die spanische Zeitung EL PAIS ähnlich:

„Der Prozess ist ein besorgniserregendes Symptom einer auf dem Kopf stehenden Justiz. Eine korrupte Bande brachte es fertig, den Richter, der ihre Machenschaften aufgedeckt hat, auf die Anklagebank zu setzen. Mit den eigentlichen Verdächtigen in dem Korruptionsskandal geht die Justiz dagegen schonend um. Allerdings ist das, was Garzón widerfährt, nicht überraschend, wenn man das politische Umfeld betrachtet. Garzón hatte sich bei seinen Ermittlungen schon früh Politiker der konservativen Volkspartei zu Feinden gemacht“.

Christian & der Wulff

Geht er oder geht er nicht? Gehts noch oder Hysterie? Aussetzer oder aussitzen? Wenn interessiert das alles noch bei einer politischen Kaste der vor allem eines fehlt. Bildung, Respekt und Stil. Der moralische Imperativ Kants wird von dieser Spezies noch nicht einmal erinnert. Kant sagt ihnen nichts. Wie auch. Kant „legt nicht auf“. Demokratie im Endstadium.

Über einen Friedensnobelpreis für Ankündigungen, ohne Taten. Über Kriege, Korruption und Lobbying…

Direktlinkkenfm.de

Civilians killed since 9/11/01

Dazu hier im blog…

Rauchen, um Lungenkrebs zu beenden?

„Der Experte für Aufständischenbekämpfung David Kilcullen, bis vor kurzem Berater von General Petraeus im Irak schätzt, dass sie für jeden Jihadi, der in diesen Bombenüberfällen getötet wird, fünfzig unschuldige Menschen töten. Wie würden wir reagieren, wenn so etwas hier in Großbritannien vorkäme?“

Vergessene Alltagsweisheiten: Gewalt erzeugt Gegengewalt

Nicht nur dass dem Krieg um Rohstoffe jede rechtliche Grundlage fehlt – die Angriffe auf Afghanistan und Irak wurden ja sogar noch durch die Lüge über Massenvernichtungswaffen und mit 9/11 begründet – er ist auf der Suche nach Frieden auch kontraproduktiv. Die naive Idee „einer Endlösung des Terrorismus“ ist nichts weiter als ein Vorwand, der schrecklicherweise auch noch das genaue Gegenteil bewirkt.

2/3 der Toten sind Zivilisten

„Offiziell hatten die USA immer geleugnet, eine Opfer-Statistik für die Zeit seit ihrem Einmarsch vor siebeneinhalb Jahren zu führen. WikiLeaks beweist das Gegenteil.“

Wendepunkt 11. September / Djebar

Als Algerierin fällt mir in New York bei dieser spektakulären Zerstörung, die programmiert wurde wie eine Apokalypse, vor allem das Schweigen, ja die Stummheit jener neunzehn Todesritter auf (sie haben keine Forderungen: kein Programm, kein Credo, keinerlei politische Ziele), sie opfern sich selbst und reißen 4.000 bis 5.000 Menschen aus dreißig verschiedenen Nationen mit in den Tod…

[…] Aber was ist die Aussage dieser Tat, die durch ihren undifferenzierten Hass nicht mehr zu deuten ist: Sie drückt nicht einmal Solidarität aus – eine Solidarität mit den Martyrien, mit all den Dramen, die im letzten Jahrzehnt des gerade vergangenen Jahrhunderts einander gefolgt sind: bei Bosnien angefangen, über Tschetschenien, das immer noch leidet, über die unterernährten Kinder in einem Irak, der weiter unter der Herrschaft des gefährlichen Diktators steht, bis hin zum Genozid in Rwanda, wo so viele westliche Grossmächte sich als Komplizen oder durch Nichtstun schuldig gemacht haben…

Nein, nicht einmal der Schatten eines Prozesses im Namen der Entrechteten der Dritten Welt ist bei diesen Tätern zu entdecken, welche die Katastrophe vom September ausgelöst haben.

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Aus: Assia Djebar (2001): „New York, die dunkle Katastrophe.“ In: Hoffmann; Schöller (Hg.): Wendepunkt 11. September 2001. Terror, Islam und Demokratie. Köln, 2001, S. 24-25