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Deutungshoheit im Netz

Der „Twitter-Krieg“ um Gaza (idw-online, Prof. Demmelhuber)

So veröffentlichten die israelischen Streitkräfte über ihren offiziellen Twitter-Account (IDF) und Live-Blog (idfblog.com) mit Beginn der Kampfhandlungen Live-Bilder, Nachrichten und Videos, welche die Rechtmäßigkeit der Gewalt als Akt der Selbstverteidigung gegen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuerte Raketen unterstreichen sollten (vgl. „Rocket Counter“ auf idfblog.com).

Gekontert wurden diese sowohl nüchternen als auch martialischen Statusmeldungen von der Hamas und ihr nahestehenden Gruppen mit Darstellungen von verletzten Kindern, Opfern unter der Zivilbevölkerung oder zerstörten zivilen Zielen inklusive martialischer Vergeltungsabsichten – ebenfalls über lebhafte Zuhilfenahme von Web 2.0-Medien und Plattformen.

„Das Internet ist weder gut noch böse“ (WDR 5, Prof. Marianne Kneuer)

Autokraten nutzen das Internet und soziale Medien, um ihre Gesellschaften zu kontrollieren. Sie entwickeln sehr subtile Methoden, indem sie zum Beispiel Netzspione ins Netz infiltrieren, die dann in Netz-Communities, in Facebook mitchatten und so Diskurse steuern oder auch kontrollieren und Netz-Dissidenten auch melden können.

Eine andere Methode sind die Micro-Blogs, die von Regierungen selbst installiert und genutzt werden, um den Bürgern gegenüber besonders modern, offen oder bürgernah zu erscheinen. Das wird gemacht, um das eigene System zu stützen und zu legitimieren.

ACTA-Petition: Noch eine Woche

Genau eine Woche vor Ablauf der Frist haben tatsächlich über 52.000 Menschen die Petition gegen ACTA unterzeichnet…

Die Petition gegen Internetsperren von 2009, die zweitgrößte Bundestagspetition überhaupt, unterschrieben 134.015 Menschen. Die Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung (2011) erreichte insgesamt 64.704 Unterschriften.

Kleines Budget → Kleines Transparent

ACTA-Petition knackt Halbzeitmarke

Die Petition des Deutschen Bundestags gegen ACTA haben mittlerweile über 25.000 Menschen unterzeichnet. Ungefähr 15.000 davon in den letzten sechs Tagen! Sollte die Petition noch die Marke von 50.000 Unterzeichnern erreichen, würde der Petent sogar vom Petitionsausschuss des Bundestags eingeladen und dürfte dort sein Anliegen persönlich vorbringen. Wenn ich es richtig verstanden habe, muss dies allerdings innerhalb der nächsten vier Tage passieren. Eher unwahrscheinlich, aber wer weiß…

Ich erinnere hier gern an die Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung, die erst knapp vor Ablauf der Frist nochmal richtig in den Endspurt ging.

Grafik: AK Vorrat

Medienkritik: Anti-ACTA-Demos

Bei der Berichterstattung über die gestrigen 2. Anti-ACTA-Demos fiel auf, dass manche Medien die Forderungen des Protestes sehr einseitig beschrieben und die Teilnehmerzahlen viel zu gering bezifferten. Dazu schreibt Daniel Schwerd:

Nachdem die Medien vor zwei Wochen noch ziemlich ausführlich – wenn auch nicht immer zutreffend – über unsere Anti-ACTA-Proteste berichtet haben, hat sich das Bild bei den Demonstrationen gestern deutlich gewandelt. (…)

Die Tagesschau verortete die größte Demonstration in NRW nach Dortmund, mit 1500 Teilnehmern. Düsseldorf (mit 2000) und natürlich Köln mit über 3000 Teilnehmern wurden glatt unterschlagen. In den Tagesthemen begleitete ein Kamerateam 13jährige Schüler zu den Demos, und stellte das Ganze als “Jugendbewegung” dar. Immer wieder wurde betont, dass die Teilnehmer den ACTA-Text ja gar nicht kennen würden. (…)

Der Kölner Stadtanzeiger begeistert besonders. Er sprach ursprünglich von 700 Teilnehmern in Köln (mittlerweile, um ca. 11 Uhr, auf 2000 Teilnehmer geändert, im Cache bei Google noch sichtbar – lieber Stadtanzeiger, sieht das nach 700 Leuten aus? Hier geht der Demonstrationszug über den Ring – 6 Minuten lang Menschen: → YouTube Direktlink

Es ist vor allem der Ausdruck eines Missmutes gegen die Einschränkung unserer Grundrechte glaube ich. Etwas poetischer ausgedrückt: Es geht um die Freiheit unserer Gedanken im weiteren Sinne. Keiner möchte unter Generalverdacht gestellt oder beobachtet werden. Allein das Gefühl, dass es so sein könnte, verändert bereits das Verhalten und Denken. Freiheit statt dem Ruf nach mehr Sicherheit.

Ausserdem braucht es dringend ein neues, zeitgemäßes Schutzrecht geistigen Eigentums. Es sollte “normal” sein, sich Musik auf YT anhören zu können und dann zu entscheiden was man kauft. Oder Filme kostenlos in schlechterer Qualität im Netz gucken zu können und trotzdem noch ins Kino zu gehen.
Die großen Rechteinhaber werden daran nicht leiden, sondern es fördert letzlich sogar den Konsum, die eigentlichen Künstler und vielleicht unsere kulturelle Entwicklung (auch wenn sich daran zweifeln lässt ;)

Noch ein Nachtrag zum untenstehenden Kommentar… Ja, die Fußball-EM wird interessant. Mal sehen welches unliebsame Gesetz 2012 dran kommt. Welche Lobby macht das Rennen, welche Gipfeltreffen finden statt und was passiert mit Vorratsdatenspeicherung & Co?

Webcam-Busting: Stoppt Acta!

Eine „coole“ Idee, im Blickfeld einer Webcam auf ACTA aufmerksam zu machen. Auf jeden Fall nachahmenswert…! Solange kein Neuschnee fällt, findet man den verzierten Acker noch hier :) Webcam Lahr I, E-Werk Mittelbaden

Anti-ACTA Demonstration in Köln

KOELN GEGEN ACTADiesen Samstag werden in 19 Ländern Europas Proteste gegen das umstrittene ACTA-Abkommen stattfinden.

In Köln wurde die Demonstration laut diesem Piratenpad passend zur Jahreszeit als „Umzug mit Kostümen“ angemeldet :) Es werden also Masken und Verkleidungen aller Art erlaubt sein..

Viel Spaß!

Mehr Infos zu Köln und anderen Städten Europas

Lars Sobiraj: Sehen Sie unsere Freiheit durch ACTA bedroht?

Jens Ferner: Weniger durch ACTA konkret als vielmehr durch den Geist, der ACTA und die aktuelle Politik insgesamt kennzeichnet. Ich sehe die eindeutige Tendenz, die in ACTA zwischen den Zeilen zu lesen ist, Provider “in die Pflicht” zu nehmen sowie Kommunikation insgesamt zu überwachen und zu filtern. Eine unter solchen Umständen stattfindende Kommunikation könnte man unmöglich noch als “Frei” bezeichnen.

Aus: ACTA: Viel Geschrei um nichts?

P.S.: Das Bild stammt ursprünglich von stopactaberlin.de, wurde von mir verändert, und darf frei verwendet, geremixt und verbreitet werden… :) (mehr …)